I hope we’re friends until we die. And then I hope we stay ghost friends and walk through walls and scare the shit out of people.

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Ich war glücklicherweise nie jemand, der gar keine Freunde hatte.
Aber ich war immer jemand, der nicht glauben wollte, dass Freundschaften eben manchmal kommen und gehen. Dass man sich nunmal in verschiedene Richtungen entwickeln kann. Sich irgendwann einmal nichts mehr zu sagen hat. Keine Gemeinsamkeiten mehr hat.
Früher dachte ich, dass ich mich stets mit jedem verstehen muss. Ich dachte, dass mich jeder gern haben sollte. Dass das auf Dauer nicht gut gehen wird, hab ich erst später verstanden. So stellte ich fest, dass viele Menschen, von denen man glaubt, man sei ihnen wichtig, einen gar nicht so gern haben. Vor allem, wenn man anfängt, seine eigene Meinung zu sagen und auch dazu zu stehen. Wenn man das tut, was man selbst für richtig hält und sich nicht danach richtet, was andere für richtig halten. Manche Freundschaften oder auch Bekanntschaften überleben das. Andere nicht. Bei einigen fällt es schwer. Bei anderen weniger.
Viele Freundschaften entwickeln sich über Jahre. Und verlaufen sich dann irgendwie im Sand. Wenn man sich sieht, versteht man sich dennoch gut. Und auch die gemeinsame Zeit möchte man nicht missen. Immerhin war es eine gute Zeit. Eine andere Art von Freundschaft entsteht mehr oder weniger plötzlich. Man denkt für eine Zeit, man hätte eine Art Seelenverwandte(n) gefunden. Eines Tages scheint es, als wäre diese Seelenverwandtschaft über Nacht verschwunden, man hat sich nichts mehr zu sagen, der Kontakt bricht vollkommen ab.
Ich kenne beide Arten.
Bevor ich nach Graz zog, hatte ich Angst, dass ich niemanden finden würde, mit dem ich mich wirklich verstehen würde. Dass ich keine Freundinnen hätte, mit denen ich über meine Probleme reden kann. Dass es niemanden gibt, der mich so mag wie ich bin. Dass sowieso alle, die auch Medizin studieren, schlauer sein werden als ich. Dass ich in der großen Masse untergehen werde.
Ich wurde eines besseren belehrt. An einem Abend, an dem sich die Studierenden vor Uni-Beginn kennen lernen sollte, herrschte erstmal ein großes Durcheinander. Wir alle saßen an Tischen verstreut und wussten nicht so recht, wohin mit uns. Es gab eine Person, die ich zu diesem Zeitpunkt schon kannte. Eine Person, der ich es zu verdanken habe, dass wir uns genau in der Konstellation von heute zusammen an einem Tisch wiederfanden. Zwischen vielen anderen unbekannten Menschen. Aber wir waren zusammen an einem Tisch. Am nächsten Tag haben wir uns wieder gesehen. Den ersten Uni-Tag meisterten wir gemeinsam. Und jeden darauffolgenden ebenso. Wir durchlebten jegliche Höhen und Tiefen im Studium, die man sich vorstellen kann. Und es kommen sicherlich noch mehr. Jedes Mal, wenn ich dachte, dass ich nicht mehr kann, wurde ich aufgefangen. Genau so, wie ich es umgekehrt jederzeit tun würde. Wir lachen zusammen und wir weinen zusammen. Wir können uns immer die Wahrheit sagen und haben uns danach genauso lieb. Wir können uns anzicken und am nächsten Tag ist es vergessen. Es gab bisher keinen einzigen Moment an dem ich an der Loyalität dieser Menschen gezweifelt habe. Am Ende des Studiums werden wir uns zusammen feiern. Und die erste Hochzeit. Das erste Kind. Den ersten 30. Geburtstag. Und alle, die danach kommen. Denn auch, wenn wir in drei bis vier Jahren vielleicht in aller Welt verstreut sein werden, bin ich mir sicher: Diese Menschen werden bleiben. 

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